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Invisible von Paul Auster
Preis bei Amazon: EUR 7,90, Angebote ab EUR 4,91 4,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 0312389426, Erscheinungsdatum: Mai 2010
4 Kundenrezensionen:Verblüffend, irritierend, fesselnd - endlich ein neues Meisterwerk von Paul Auster 5 von 5 PunktenBeim Lesen des Romans hat man den Eindruck eines riesigen Puzzles, bei welchem sich Seite um Seite die Teile zusammenfügen, wobei allerdings ein überraschendes Ende alles wieder in Frage stellt und man am Ende des Romans unweigerlich zu blättern beginnt, um Details aus einer neuen Perspektive zu bewerten und so Antworten auf die zahllosen offenen Fragen zu ergattern. Das Buch liest sch wie ein Thriller beinhaltet aber weit mehr. Angesiedelt in der Zeit zwischen dem Studium inmitten der Spannungen der Sechzigerjahre in den USA bis zum Jahr 2007, entwickelt sich der Roman in drei Kapiteln des Lebens des Adam Walker (Spring, Summer und Fall), die je in erster, zweiter und dritter Person erzählt werden. Wie so oft in den Romanen von Paul Auster beginnt die Handlung mit einem Zufall, einer Begegnung an der Columbia University des jungen Studenten Adam Walker mit dem charismatischen und bestechend intelligenten Professor für Politologie, Rudolph Born, welcher sich mit der Zeit allerdings auch als perfider, skrupelloser und mit Zerstörungslust agierender Mitarbeiter des französischen Geheimdienst entpuppt. Das Verhältnis zwischen diesen Figuren stellt den Mittelpunkt des Romans, wobei bis zum Schluss nicht klar ist, was von dem Erzählten Bericht und Lüge, Tatsache und Fiktion ist. Sogar die Identität des Erzählers wird am Ende des Buchs in Frage gestellt. Diese vielschichtige Möglichkeit der Deutung fesselt den Leser bis zum Schluss an das Buch, ohne dass dem Leser eine Antwort gewährt wird. Nach einigen weniger interessanten Werken, hat der Autor ein neues Meisterwerk geschaffen, das New York Trilogy und Music of Change um nichts nachsteht. die ganze welt 5 von 5 Punktenspannend. habe invisible in einem rutsch durchgelesen. leichter, zugänglicher und noch spannender als alle austers davor (vielleicht mit ausnahme von music of chance). verstörender erzählductus, manchmal wie morbus kitahara von ransmayr, enorm plastische figuren, die gebrochen wie unser derzeitiges leben daher kommen, die unzuverlässigkeiten von wahrheit, unwahrheit und ungewisser zukunft und vergangenheit. besonders die sicht auf den jungen protagonisten adam walker, der dann im zweiten kapitel als alter mann stirbt. all die verlorenen jungen menschenträume und irrungen des sommers 1967, da war ich drei (!). am quasi sekundenhaften ende das leben als mühsal, steinbruch, als kurze reprise auf dantes inferno. bravo, scheiß auf die postmoderne und literaturwissenschaftler mit ihren einordnungen. dieses buch berührt. "Nel mezzo del cammin di nostra vita..." (Divina Commedia) 5 von 5 PunktenDer Roman beginnt als konventionelle Ich-Erzählung. Adam Walker erinnert sich an Ereignisse im weit zurückliegenden Frühjahr 1967 in New York, als er noch Student an der Columbia war und Schriftsteller werden wollte. Gleich auf der ersten Seite fallen die Worte, um die es Auster geht: "Halluzinationen und Höllenqualen". Ein Zitat aus Dantes "Inferno", aber ebenso das Leitmotiv der verschachtelten Erzählstränge, die Auster erst ganz am Ende grandios und mit dem üblichen Knalleffekt verknüpft. Auf einer eher langweiligen Party begegnet Walker dem französischen Politologen Rudolf Born, einem "deplacierten Dandy", er ist undurchsichtig, aber nicht uncharmant. Durch Born lernt er auch Margot kennen, die versucht, Malerin zu werden und ebenfalls nur langweilig zu sein scheint. Allerdings sollte man berücksichtigen, dass dies in den 60er Jahren nur eine Attitüde war um "cool" zu wirken. Wenige Tage später treffen sich Walker und Born zufällig wieder, kommen ins Gespräch und Born bietet Walker nicht nur viel Geld an, um eine anspruchsvolle Literaturzeitschrift zu gründen, sondern auch seine schöne, geheimnisvolle Freundin. Obwohl er gegenüber Born zwiespältige Gefühle hegt, sieht er dies als Chance seines Lebens - oder wird er gerade gekauft? Die nächsten Tage jedenfalls trifft man sich, auch Margot gibt sich offener und als Born überraschend für einige Tage nach Paris muss, stürzt Walker in eine intensive Affäre mit dieser mysteriös verführerischen Frau. Doch wer ist Richard Born? Auster gibt sich Mühe, an jenen Bertran de Born zu erinnern, den Dante in seinem "Inferno" schmoren ließ, einen Troubadour aus dem 12. Jahrhundert, der den Krieg verklärte. Ist dieser hochgebildete Born nicht nur Professor an der Columbia, sondern etwa auch Geheimagent? Eines Tages spazieren Adam Walker und Born am Riverside Drive, als ein Strassenganove die beiden mit einer Waffe bedroht. Doch statt seine Brieftasche zu ziehen, greift der Professor routiniert zum Messer und sticht den Angreifer nieder. Adam läuft, um Hilfe zu rufen. Aber kaum wieder zurück, ist das Opfer verschwunden. Halluzination? Später liest er in der Zeitung, dass der Dieb mit vielen Stichwunden tot aufgefunden wurde. Doch Born lehnt jede Verantwortung ab. Adam beginnt, an sich zu zweifeln, quält sich mit Selbstvorwürfen und beschließt, den Professor zu überführen. Doch der flieht mitsamt Margot nach Paris, Adam hetzt ihm hinterher und erlebt den "Tiefpunkt" seiner "Laufbahn als Mensch". Er will Born zur Verantwortung ziehen, liefert sich aber nur dessen Rache aus. Das zweite Kapitel ist ein Manuskript, das Adam 40 Jahre später seinem Kommilitonen James Freeman schickt, der als neuer Ich-Erzähler auf den Plan tritt. Es enthält seine Erinnerung einer leidenschaftlichen inzestuösen Beziehung, die sich chronologisch an den ersten Teil anschließt, inhaltlich aber nicht zwingend damit verbunden ist. Diese Erinnerungen wird Adam nicht mehr beenden, das übernimmt Jim, der nun quasi moderierend durch die Geschichte führt, da er, wie sich herausstellt, derjenige ist, der den Roman schreibt. Wieder öffnet Auster eine neue Tür. Alle Namen sind erfunden, Adam, Born, Jim ... Allein die Fakten könnten stimmen, sie sind akribisch dokumentiert: der Inzest ("das Experiment") zwischen Adam und seiner Schwester Gwyn, die Unbarmherzigkeit Adams, als er in Paris Kontakt aufnimmt zu Borns neuer Partnerin Hélène und deren Tochter Cécile. Erzählposition und Inhalt kollidieren. Selbstanklagen und Ekelbekundungen dominieren. Derweil lebt Born einsam und gelangweilt auf einer Karibikinsel und schreibt an seinen Memoiren. Oder doch an einer Fiktion? "Ein Roman eröffnet uns grenzenlose Möglichkeiten. Wir können die Wahrheit sagen, ja, aber wir haben auch die Freiheit, uns etwas auszudenken", überlegt er. "Damit wir die Wahrheit sagen können, werden wir es als erfundene Geschichte hinstellen." So bleibt er undurchschaubar. Möglich, dass er Geheimagent war, jedenfalls verfügt er über Kontakte in höchste Kreise. Es ist Cécile, souverän und entschieden, die das letzte Wort hat im überraschenden Finale. Man kann das Buch leicht überschätzen, Rezensenten haben es mit gebildet klingenden Adjektiven überschüttet, am häufigsten wurde die literarische Postmoderne genannt, auch Poststrukturalismus und andere Post-ismen wurden strapaziert. Aber das Buch ist trotz Austers akademischem Trompe l'Oeil nicht schwierig, auch Leser, die mit Dantes Divina Commedia und dem 28. Gesang aus dem Inferno nicht vertraut sind werden klarkommen. Hier kommt die Finsternis in uns zutage und die Dummheiten sind keineswegs unsichtbar. Wow! - Bislang mein Lieblingsauster 5 von 5 PunktenBislang hielt ich "Oracle Night" und "Man in the Dark" für Austers beste Bücher, aber Invisible gefällt mir fast noch besser. Sicherlich, die zwei Ebenen Buch / Erzähler finden sich in fast jedem Buch von Paul Auster, aber hier halte ich die Einindung für besonders gelungen, gerade auch weil dadurch das Ende etwas offen gestaltet werden kann, ohne dass es frustrierend oder unlogisch wird. Invisible ist zum einen ordentlich spannend (nicht nur von der Geschichte - spannend ist auch, was denn nun noch erklärt wird und was nicht) und erlaubt viel Platz zum Interpretieren und zum Schlußfolgern - und das gefällt mir. |
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